"Wissen ist die Ressource, auf die wir unsere Zukunft aufbauen"

Staatssekretär Christian Luft hat bei der Verleihung der Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2019 alle Forschenden dazu aufgerufen, weiter ihr Talent für die Wissenschaft einzusetzen. „Ohne Forschung kein Fortschritt“, sagte er.

Staatssekretär Christian Luft mit den Preisträgerinnen und Preisträgern des Heinz Maier-Leibnitz-Preises 2019. © BMBF

Rede des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Christian Luft, anlässlich der Verleihung der Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2019 am 28. Mai 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Frau Prof. Hochbruck,

sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger der Heinz Maier-Leibnitz-Preise,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

Die Verleihung der Heinz Maier-Leibnitz-Preise ist ein besonders schöner Termin im Wissenschaftskalender. Nicht allein, weil mit den Preisen exzellente Forschung ausgezeichnet und belohnt wird, sondern weil die Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zugleich auch eine Investition in die Zukunft ist.

So sah es sicher auch Heinz Maier-Leibnitz, dem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein so großes Anliegen war, dass er während seiner Zeit als DFG-Präsident den Preis, den wir heute verleihen, zur Förderung herausragender wissenschaftlicher Talente initiiert hat.

Für Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, ist die heutige Verleihung in erster Linie ein persönlicher Erfolg, auf den Sie stolz sein dürfen und auf den Sie aufbauen können. Zu diesem frühen Zeitpunkt Ihrer Karriere haben Sie in Ihren jeweiligen Fachgebieten – von der historischen Sprachwissenschaft bis zur anorganischen Molekülchemie – bereits Eindrucksvolles geleistet. Sie forschen zu der schädigenden Wirkung von Blutfetten, stellen neue Zusammenhänge auf dem Gebiet der Wissens- und Medizingeschichte vom 18. bis in das frühe 20. Jahrhundert her. Oder Sie befassen sich mit der sozialwissenschaftlichen Erforschung von Klimadiskurs und Klimapolitik.

Diese ausgewählten Beispiele zeigen, was für die Forschung von Ihnen allen, liebe Preisträgerinnen und Preisträger gilt: sie liefert neue Denkansätze und wichtige Erkenntnisse für unsere Gesellschaft.

Die Einsichten, die wir über die Forschung gewinnen, sind entscheidend dafür, wie sich unser Leben in Deutschland weiterentwickelt. Wissen ist die Ressource, auf die wir im Land der „Dichter und Denker“ unsere Zukunft aufbauen. Ohne Forschung kein Fortschritt!

Ihre bisherigen Leistungen, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, lassen auch für Ihre weiteren wissenschaftlichen Karrieren einiges erwarten. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen heute gemeinsam mit Frau Prof. Hochbruck die Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2019 verleihen zu dürfen! Die wichtigste Auszeichnung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland. Sie soll Ihnen Ansporn sein, auch künftig Ihr Talent für die Wissenschaft einzusetzen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

damit jede einzelne Wissenschaftlerin und jeder einzelne Wissenschaftler die jeweiligen Kenntnisse und Kompetenzen bestmöglich einsetzen und exzellente wissenschaftliche Leistungen erbringen kann, bedarf es besonderer Rahmenbedingungen.

Gerade erst zu Beginn dieses Monats hat der Bund zusammen mit den Ländern in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz wichtige Weichen für die Weiterentwicklung unseres Wissenschaftssystems gestellt. Die Verhandlungen waren nicht einfach, aber es hat sich gelohnt. Bund und Länder haben bewiesen, dass sie gemeinsam viel voranbringen können: Mit den drei Wissenschaftspakten investieren Bund und Länder von 2021 bis 2030 in Hochschulen, Lehre und Forschung insgesamt mehr als 160 Mrd. Euro! Damit Forschung und Lehre in Deutschland weiterhin zur Weltspitze gehören.

Durch die Nachfolgevereinbarung zum Hochschulpakt, dem „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ sorgt die Bundesregierung für ein nachhaltig stabiles System, in dem sich Kapazitätserhalt und Qualitätsausbau in Studium und Lehre komplementär ergänzen. Für die Hochschulen bedeutet dies die vielfach geforderte finanzielle Planungssicherheit, die auch die Einstellung von mehr unbefristetem Personal erleichtert.

Um die Innovationskraft in der Hochschullehre weiter voranzubringen werden in Nachfolge des Qualitätspakts Lehre künftig 150 Mio. Euro pro Jahr zu Verfügung gestellt. Wir richten eine völlig neue Organisationseinheit unter dem Dach eines bestehenden Trägers ein, fördern Lehr-Projekte und sorgen für stärkere Vernetzung und Wissenstransfer.

Nicht nur für die Hochschulen, auch für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben wir mit der Fortsetzung des Pakts für Forschung und Innovation eine außerordentlich wichtige Vereinbarung getroffen. Von 2020 bis 2030 erhalten die Wissenschaftseinrichtungen mit einem jährlichen Aufwuchs von drei Prozent finanzielle Planungssicherheit. Dazu haben wir Zielvereinbarungen mit den Wissenschaftsorganisationen geschlossen. In diesen ist auch die Weiterentwicklung der Nachwuchsförderung vereinbart.

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist und bleibt für die Bundesregierung ein wichtiges Anliegen. Dabei sind Chancengerechtigkeit und Vereinbarkeitsbedingungen und nicht zuletzt die Karrierewege innerhalb des Wissenschaftssystems, die Faktoren die entscheidenden Einfluss darauf haben, talentierte junge Menschen für die Wissenschaft zu gewinnen und zu halten.

Bereits in der vergangenen Legislaturperiode haben Bund und Länder das Tenure-Track-Programm für die Universitäten beschlossen. Ziel des Programms ist es, den Karriereweg der Tenure-Track-Professur an deutschen Universitäten zu verankern. Damit soll der Weg zur Professur transparenter und planbarer werden. Die erste Bewilligungsrunde über die insgesamt 1000 zusätzlichen Tenure-Track-Professuren verlief bereits sehr erfolgreich, die Entscheidung über die zweite steht im Herbst dieses Jahres an.

Um die Karrierewege zur Fachhochschulprofessur attraktiver zu gestalten und geeigneten Nachwuchs zu gewinnen, haben wir Anfang des Jahres ein Bund-Länder-Programm zur Personalgewinnung an Fachhochschulen gestartet. Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen müssen nicht nur über Forschungskompetenz, sondern auch über Praxiserfahrung verfügen. Damit stehen Fachhochschulen bei der Personalgewinnung oft in direkter Konkurrenz zur Wirtschaft. Das Programm sieht unterschiedliche Förderinstrumente vor und unterstützt damit die einzelnen Fachhochschulen in der jeweils für sie passenden Form.

Wichtige strukturelle Anreize zur Förderung von Wissenschaftlerinnen setzt das Professorinnenprogramm von Bund und Ländern. Durch dieses Programm werden zum einen mehr Wissenschaftlerinnen dauerhaft als Professorinnen im Hochschulsystem verankert. Zum anderen wirkt das Programm strukturell auf die teilnehmenden Hochschulen, die als Voraussetzung über herausragende Gleichstellungskonzepte verfügen müssen. Das Programm wird seit Februar 2018 in einer dritten Phase bis 2022 fortgesetzt. Den Bundesanteil haben wir auf 100 Millionen Euro aufgestockt.

Last but not least kommt auch die von Bund und Ländern auf unbestimmte Zeit beschlossene Exzellenzstrategie dem wissenschaftlichen Nachwuchs zugute. Nach der Entscheidung über die Exzellenzcluster im letzten September, wird es im Juli bei der Auswahl der Exzellenzuniversitäten erneut spannend. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stellt dabei ein wichtiges Kriterium dar. Ich drücke allen im Wettbewerb verbliebenen Universitäten die Daumen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Jeder Forscher hat seine Motivation. Er will nützlich sein, etwas leisten, das ihn überdauert, er will seine Fähigkeiten voll entfalten, er will viel lernen und viel verstehen. […] Natürlich gibt es auch mehr persönliche Motive. […] Wir dürfen davon ausgehen, dass für die überwältigende Mehrheit die Motivation sich auf die Freude an Forschung und Lehre zurückführen lässt.“ Das schrieb Heinz Maier-Leibnitz in einem seiner Aufsätze. Ich bin mir sicher, dass er diese Aussage heutzutage auch auf die vielen talentierten Forscherinnen erweitern würde.

Sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger, dieser Preis ist ein wichtiger Meilenstein in Ihrer wissenschaftlichen Karriere. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch weiterhin Freude und Motivation für Ihre wissenschaftliche Arbeit empfinden. Bewahren Sie sich die Neugier auf Wissen, auf Einsichten, die zu neuen Wegen führen. Ich gratuliere Ihnen nochmals zu Ihren herausragenden Leistungen. Genießen wir alle diese Festveranstaltung zu Ihren Ehren.