Wissenschaftlicher Nachwuchs: Das neue Tenure-Track-Programm

Für den Hochschulstandort Deutschland und für junge Forscherinnen und Forscher ist es wichtig, dass die Karrierewege in der akademischen Welt planbarer und transparenter werden. Das neue Tenure-Track-Programm von Bund und Ländern soll dazu beitragen.

Nachwuchsforscherin im Labor
Nachwuchsforscherin im Labor © Thinkstock/Fuse

Der Bund wird ab dem Jahr 2017 eine Milliarde Euro im Bund-Länder-Programm bereitstellen, um den 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren zu fördern. Die Laufzeit des Programms reicht bis zum Jahr 2032.

Mit dem neuen Bund-Länder-Programm wird die Tenure-Track-Professur erstmals flächendeckend an den Universitäten in Deutschland etabliert. Für viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird der Weg zur Professur erheblich transparenter und planbarer: Die Tenure-Track-Professur sieht nach erfolgreicher Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor.  

Neuer Karriereweg     

Der Tenure Track wird die gesamte Personalstruktur der Universität verändern – nicht nur auf der Ebene der Professorinnen und Professoren, sondern auch im Bereich des wissenschaftlichen Mittelbaus. Das Programm stellt deshalb Mittel bereit, um diesen Reformprozess in der gesamten Universität angemessen gestalten zu können.

Der neue Karriereweg zur Professur ist attraktiv für die besten Köpfe aus dem In- und Ausland und schafft frühe Planbarkeit für den dauerhaften Verbleib in der Wissenschaft. Das Tenure-Track-Programm ist damit auch ein strukturelles Reformprojekt für den Innovationsstandort Deutschland.

Professuren werden immer wieder neu ausgeschrieben

Das Bund-Länder-Programm wird nachhaltig wirken. Die 1.000 vom Bund geförderten neuen Tenure-Track-Professuren werden immer wieder neu ausgeschrieben, und die Länder werden sie langfristig erhalten. Zugleich werden die Länder die Zahl der unbefristeten Professuren um 1.000 erhöhen, um die Karrierechancen des wissenschaftlichen Nachwuchses insgesamt zu verbessern.

Die wichtigsten Fragen in Kürze

Welche Ziele hat das Programm?

Das Programm hat die folgenden Ziele:

  • Erhöhung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems durch Etablierung der Tenure-Track-Professur als international bekannten und akzeptierten Karriereweg,
  • stärkere strukturelle Etablierung der Tenure-Track-Professur als zusätzlichen Karriereweg zur Professur, dadurch planbarere und transparentere Gestaltung der Karrierewege des wissenschaftlichen Nachwuchses,
  • Förderung von 1.000 Tenure-Track-Professuren,
  • Erweiterung der Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs durch Schaffung von mehr dauerhaften Professuren in gleicher Anzahl,
  • Ermöglichung einer im Durchschnitt früheren Entscheidung über einen dauerhaften Verbleib von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern im Wissenschaftssystem,
  • Förderung des mit der Etablierung der Tenure-Track-Professur verbundenen Kulturwandels und Weiterentwicklung der Personalstruktur des wissenschaftlichen Personals an der gesamten Universität, so dass sie den neuen Karriereweg optimal ergänzt und auch Karrierewege außerhalb der Professur aufzeigt und
  • Verbesserung der Chancengerechtigkeit und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Wer kann einen Antrag auf Förderung stellen?

Anträge können von Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen der Länder – im Folgenden bezeichnet als Universitäten – gestellt werden, jeweils vertreten durch ihre Leitung.

Welche Laufzeit hat das Programm?

Das Programm beginnt im Jahr 2017 und endet im Jahr 2032.

Welche Haushaltsmittel stehen zur Verfügung?

Zur Finanzierung des Programms stellt der Bund, vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch die gesetzgebenden Körperschaften, ab dem Jahr 2017 ein Gesamtvolumen von bis zu einer Milliarde Euro für die Gesamtlaufzeit des Programms bis 2032 zur Verfügung.

Welche Voraussetzungen müssen die Universitäten erfüllen?

Voraussetzung für die Teilnahme am Programm ist eine verbindliche Grundsatzentscheidung der Universität für die Implementierung des Karrierewegs der Tenure-Track-Professur gemäß den in § 4 der Verwaltungsvereinbarung geregelten Anforderungen. Außerdem wird vorausgesetzt, dass Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs und das gesamte wissenschaftliche Personal ein strategisches Handlungsfeld der Universitätsleitung ist und sie über ein Personalentwicklungskonzept verfügt, das Aussagen zu Standards, zum Grad der institutionellen Verankerung und Stand der Umsetzung enthält.

Wissenschaftichen Nachwuchs fördern

Ein Dozent demonstriert einer Studentin ein Experiment
Ein Dozent demonstriert einer Studentin ein Experiment © Thinkstock

Die Karrierewege für den Wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland sind sehr heterogen, für die Betroffenen oft unüberschaubar und wenig planbar. Wichtige Ziele des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Förderung junger Wissenschaftler bestehen unter anderem darin,


       •die Attraktivität und Transparenz wissenschaftlicher Karrierewege zu steigern,
       •die Übergänge von der Phase der wissenschaftlichen Qualifizierung in Berufe in Wirtschaft und Gesellschaft zu verbessern,
       •die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Mobilität des Wissenschaftlichen Nachwuchses zu fördern,
       •die Chancengerechtigkeit in der Karriereentwicklung des Wissenschaftlichen Nachwuchses zu verwirklichen
       •sowie Bedingungen zu schaffen, unter denen wissenschaftliche Leistungen von möglichst hoher Qualität erbracht werden können.

Um diese Ziele umzusetzen, finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung direkt oder indirekt einen erheblichen Teil der Programme in Deutschland zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dazu gehören die institutionelle Förderung der Wissenschafts- und Mittlerorganisationen, große Projekte wie zum Beispiel die Exzellenzinitiative, der Pakt für Forschung und Innovation sowie die außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Zum Wissenschaftlichen Nachwuchs gehört, wer nach seinem Studienabschluss an einer Promotion arbeitet oder nach Abschluss der Promotion weiter forschend tätig ist, um sich als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler in seinem Fachgebiet zu etablieren. Wissenschaftlicher Nachwuchs ist somit ein Sammelbegriff für verschiedene Formen der wissenschaftlichen Qualifikationsphase. Dazu gehören Doktorandinnen und Doktoranden, promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Nachwuchsgruppenleiterinnen sowie Juniorprofessorinnen und -professoren, die in Universitäten oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen tätig sind.

Bundesbericht zum wissenschaftlichen Nachwuchs

Studentinnen in der Bibliothek
Lesen, auswerten und die Ergebnisse im Netz teilen - die Digitalisierung hat das wissenschaftliche Arbeiten verändert. © Thinkstock / Peter M. Fisher/Fuse

Die Informationslage zur Situation des Wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland ist in vielen Punkten verbesserungsbedürftig. Für viele Fragen fehlen derzeit noch systematische empirische Daten. Für Nachwuchswissenschaftler ist es schwer, sich im Wissenschaftssystem zu orientieren und geeignete Karrierewege zu identifizieren. Auch Wissenschaftseinrichtungen, Institutionen der Forschungsförderung und staatliche Instanzen brauchen für fundierte Steuerungsentscheidungen eine systematische empirische Wissensbasis. Deshalb wird alle vier Jahre der Bundesbericht zum Wissenschaftlichen Nachwuchs veröffentlicht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert zudem die empirische Forschung zur Lage des Wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland.