Wissenschaftsjahr 2018: Roboter für die Altenpflege der Zukunft

Wie können Roboter Pflegekräfte entlasten und unterstützen? Das erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Projekt „AriA“. Während des Wissenschaftsjahres 2018 stellen sie ihr Projekt deutschlandweit der Öffentlichkeit vor.

Wirtschaftsinformatiker Felix Carros reist mit Robbie durchs Land: Er will Ängste nehmen, Robotik erlebbar machen und eine gesellschaftliche Debatte anstoßen. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Robbie ist Animateur, Quizmaster, Gymnastik-Coach, Pantomime, Musiker und Tänzer: Das 1,20 Meter große Multitalent animiert Seniorinnen und Senioren in Pflegewohnheimen zu Spiel, Spaß, Tanz und Musik – im Wissenschaftsjahr 2018 „Arbeitswelten der Zukunft“. Denn Robbie ist ein sogenannter sozial-interaktiver Roboter, der eines Tages Pflegekräfte unterstützen und entlasten soll. Welche Aufgaben er übernehmen könnte und ob er von Bewohnerinnen, Bewohnern und Pflegekräften akzeptiert wird, wollen Forschende im Projekt „AriA – Anwendungsnahe Robotik in der Altenpflege“ herausfinden. Gemeinsam mit Pflegekräften entwickeln sie innovative Modelle zum Einsatz von Robotik im Altenheim und verknüpfen diese mit Weiterbildungsangeboten und Entwicklungsszenarien für die Praxis. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt.

Von Hannover nach Berlin, von Leipzig nach Heidelberg, von Nürnberg nach Dortmund: Robbie hat im Wissenschaftsjahr 2018 einen vollen Terminkalender. In bundesweiten Workshops und Informationsveranstaltungen stellt er sich vor – gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Siegen und der Fachhochschule Kiel. „Mit den Workshops wollen wir Ängste nehmen, Robotik erlebbar machen – aber auch eine gesamtgesellschaftliche Debatte anstoßen“, sagt der Siegener Wirtschaftsinformatiker Felix Carros. Denn klar ist: Der demografische Wandel wird die Pflegelandschaft in Deutschland stark verändern. Während die Bevölkerung überaltert, sinkt gleichzeitig die Zahl qualifizierter Pflegekräfte. Und diese könnten künftig durch Roboter entlastet werden.

Robbie stellt sich den Workshop-Besuchern vor – als Quizmaster. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Den Wissenschaftlern geht es darum, Pflegerinnen und Pfleger im stressigen Arbeitsalltag zu unterstützen. „Roboter können kein qualifiziertes Pflegepersonal ersetzen. Die Pflegeschlüssel dürfen keinesfalls verändert werden“, sagt Carros. Ohnehin sei Robbie kein Serviceroboter, der mit anpacken könne: „Er ist sozial-interaktiv“, erklärt Carros. Reden, spielen, beschäftigen, beruhigen, zu Bewegung animieren: Das sind seine Aufgaben. So könnte Robbie beispielsweise nach dem Mittagessen die Bewohnerinnen und Bewohner beschäftigen. Denn viele Bewohner müssen dann von den Pflegerinnen und Pflegern auf ihre Zimmer begleitet werden – was zu langen Wartzeiten führen kann. „Das nimmt auch Druck vom Pflegepersonal und schafft Freiräume für mehr menschliche Nähe“, ist sich Carros sicher. Das Personal wäre weniger gestresst und könnte auch ohne schlechtes Gewissen mal ein längeres Gespräch führen. So würden letztlich alle Beteiligten profitieren.

Erste Erfahrungen zeigen, dass Roboter wie Robbie bei den Seniorinnen und Senioren gut ankommen – nach anfänglicher Skepsis. „Viele Bewohnerinnen und Bewohner lehnen den Kontakt vorerst ab“, sagt Carros. Die Hemmungen fallen dann aber sehr schnell. Elegant, niedlich, hübsch: So beschreiben sie die Roboter, die nicht ohne Grund riesige Kulleraugen haben. „Umso niedlicher sie sind, desto besser werden sie akzeptiert“, sagt Carros. Und das ist für die Zukunft entscheidend: Denn der Erfolg neuester Technologien hängt auch immer von der Akzeptanz ab. Daher binden die Wissenschaftler frühzeitig alle Beteiligten in ihre Workshops ein: Pflegerinnen und Pfleger, Pflegeschülerinnen und -schüler, Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihre Angehörigen. „Gemeinsam lassen sich Probleme besser erkennen und meistern“, sagt Carros. Um die Potenziale von Robotik im Gesundheits- und Pflegewesen baldmöglichst zu nutzen, müsse die ganze Gesellschaft das Thema frühzeitig diskutieren.

Projekt AriA

Das Projekt AriA wird von der Universität Siegen (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, Volker Wulf) zusammen mit der FH Kiel (Fachbereich Informatik und Elektrotechnik, Jens Lüssem)koordiniert und gemeinsam mit Partnern aus einem bestehenden Kooperationsnetzwerk umgesetzt. Dazu gehören u.a.: Diakonisches Werk Schleswig-Holstein, Diakonie Altholstein; AWO; Kreisverband Kiel, Ländliche Erwachsenenbildung Niedersachen, Diakonie Südwestfalen, Siegen; Caritas und Paritätischer Wohlfahrtsverband sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Weitere Workshops:

Nürnberg: 16.05.2018 - 17.05.2018: Deutscher Stiftung Tag (Vortrag und Podiumsdiskussion, Roboter-Präsentation), Nürnberg - Messezentrum Nürnberg, Messezentrum 1, 90471 Nürnberg. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen

Dortmund: 28.05.2018 - 30.05.2018: Deutscher Seniorentag (Präsentation), Dortmund - Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund, Rheinlanddamm 200, 44139 Dortmund. Ansprechpartner vor Ort: Universität Siegen