Wissenschaftsminister wollen Zusammenarbeit vertiefen

Die Arktis ist eine Schlüsselregion im globalen Klimasystem. Und sie ist schon heute dramatischen Veränderungen ausgesetzt. Um eine bessere wissenschaftliche Zusammenarbeit geht es bei der Arktis-Wissenschaftsminister-Konferenz in Tokio.

Arktis
© Stefan Hendricks, AWI

Die Arktis hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr als doppelt so stark erwärmt wie der Rest der Welt – und die Folgen dieses Temperaturanstiegs werden zunehmend sichtbar. Die Meereisbedeckung in der Arktis schrumpft seit Jahren, Grönlands Gletscher schmelzen immer schneller, Permafrostböden tauen auf. Die menschengemachte Erwärmung führt schon heute zu tiefgreifenden Veränderungen der Lebensbedingungen in der Arktis, was die dort lebenden Menschen vor große Herausforderungen stellt. Gleichzeitig haben diese Veränderungen globale Auswirkungen. Sie tragen zu Extremwetterereignissen und zum Anstieg des Meeresspiegels bei.

Lösungen für die Zukunft der Arktis

Die Folgen des Klimawandels in der Nordpolarregion haben die internationale Gemeinschaft längst alarmiert. Um diese Herausforderungen gemeinsam zu lösen, wissenschaftliche Fortschritte zu diskutieren und zukünftige Schwerpunkte in der Arktisforschung abzustimmen, wurde eine Arktis-Wissenschaftsminister-Konferenz (Arctic Science Ministerial, ASM) ins Leben gerufen, die im Jahr 2016 in Washington DC ihre Premiere feierte und zwei Jahre später in Berlin unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel ihre Fortsetzung fand. Nunmehr wird am 8. und 9. Mai 2021 in Tokio die dritte Konferenz gemeinsam von Japan und Island online ausgerichtet. Island hat derzeit den Vorsitz im Arktischen Rat inne. Unter dem Motto „Wissen für eine nachhaltige Arktis“ kommen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Politik aus 25 Ländern und der EU sowie Vertreterinnen und Vertreter von sechs indigenen Bevölkerungsgruppen zusammen, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit auszubauen und Lösungen für die Zukunft der Arktis zu arbeiten.

Bundesregierung übernimmt Verantwortung für die Arktis

Dazu erklärt der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Michael Meister, der die deutsche Position auf der Konferenz vertritt: „Mit den Leitlinien deutscher Arktispolitik übernimmt die Bundesregierung Verantwortung in der Arktis und benennt klare strategische Ziele. Dazu gehört insbesondere, dass arktispolitisches Handeln auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen muss. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist ein wichtiger Teil der Aktivitäten. In der Arktisforschung sind dabei die internationale Zusammenarbeit sowie der Dialog mit globalen Akteuren, mit den Anrainerstaaten sowie auch der lokalen und speziell der indigenen Bevölkerung von besonderer Bedeutung.“

Künftige Generationen bestmöglich Herausforderungen vorbereiten

Die Arktis-Wissenschaftsminister-Konferenz wird von vier Themenfeldern getragen. So geht es im Komplex „Observe“ um die Einrichtung von Beobachtungsnetzwerken sowie die gemeinsame Nutzung von Forschungsdaten. Im Schwerpunkt „Unterstand“ soll das Verständnis und die Vorhersagefähigkeit für Veränderungen in der Arktis verbessert werden, um die lokalen, regionalen und globalen Auswirkungen bewerten zu können. Das Themenfeld „Respond“ beinhaltet gemeinsame Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung in der Arktis und die gezielte Anwendung des Wissens.  Schließlich sollen diese Bemühungen im Komplex „Strengthen“ durch Bildung, Vernetzung und den weiteren Aufbau wissenschaftlicher Kapazitäten untermauert werden, um zukünftige Generationen bestmöglich auf die Herausforderungen vorzubereiten.

Mit FONA Klimaziele erreichen

„Mit der Strategie für Nachhaltigkeit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der FONA-Strategie, will Deutschland dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Unser Ziel ist es, Wissen für eine wirksame Klimapolitik bereitzustellen. Die mit der Klimaerwärmung einhergehende rasante Veränderung der Arktis und die damit verbundenen weltweiten Auswirkungen sind globale Probleme, deren Lösung unsere gemeinsamen Anstrengungen erfordert. Deutschland verpflichtet sich, weiterhin mit seiner Forschungsinfrastruktur die internationalen Aktivitäten in der Arktis zu unterstützen“, betont Staatssekretär Meister.

MOSAiC-Expedition hat Meilenstein für internationale Arktisforschung gesetzt

Einen Meilenstein für die internationale Arktisforschung setzte die im vergangenen Jahr erfolgreich beendete MOSAiC-Expedition. Unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz Zentrum für Polar und Meeresforschung, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 Nationen an der größten Arktisexpedition aller Zeiten teilgenommen und eine Vielzahl von Daten für die gesamte Forschungsgemeinschaft gewonnen. Die Expedition verdeutlicht eindrucksvoll die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit, um die globalen Auswirkungen des arktischen Wandels zu verstehen, künftige Risiken zu minimieren und Methoden der Anpassung zu finden. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse und im Dialog mit indigenen Bevölkerungsgruppen werden Entscheidungen für die Gesellschaft und Politik begründet: für den Schutz und eine nachhaltige Zukunft der Arktis.