Wissenschaftsreferentenseminar 2017

Rede des Staatssekretärs im Bundeministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte, anlässlich des von Herrn Staatssekretär gegebenen Abendessens im Kameha Grand Bonn

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

nachdem Bonn bis vor zehn Tagen Gastgeber für etwa 25.000 Gäste aus aller Welt war, die hier über die Zukunft des Klimas beraten haben, freue ich mich, Sie heute hier begrüßen zu dürfen. Bonn hat sich zu einem starken Wissenschaftsstandort entwickelt: Davon zeugen die zahlreichen, hier ansässigen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen und die Organisationen der Vereinten Nationen. Nicht zu vergessen ist natürlich das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das in Bonn seinen ersten Dienstsitz hat. Mit dem neu gebauten Konferenzzentrum „World Conference Center Bonn“ hat Bonn sich zudem einen Ort geschaffen, der ideal ist für die Austragung internationaler Konferenzen. Dass Bonn das kann, hat die erfolgreiche Durchführung der bislang größten, jemals in Deutschland veranstalteten Konferenz gezeigt.

Bonn setzt damit ein Zeichen: ein Zeichen für Weltoffenheit, ein Zeichen für die Wissenschaft und ein Zeichen für die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit. Die internationale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung ist auch Ihre Hauptaufgabe. Sie sind die Mittlerinnen und Mittler unserer Wissenschaftspolitik im Ausland. Sie stellen Deutschland als attraktiven Forschungs- und Wissenschaftsstandort dar. Und Sie sind die Türöffnerinnen und Türoffner zu Schlüsselpositionen in Wissenschaftspolitik und Forschung in für uns wichtigen Partnerländern.

  1. Ausblick auf Wissenschaftspolitik in der 19. Legislaturperiode

Meine Damen und Herren,

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie mit einer gewissen Neugier hierhergekommen sind. Hinter uns liegt ein aufregendes Jahr. Vor allem mit den Bundestagswahlen im September dieses Jahres haben sich neue Entwicklungen ergeben, die derzeit noch nicht abgeschlossen sind. Diese werden sicherlich auch Einfluss auf die künftige Ausrichtung der Wissenschaftspolitik haben.

Natürlich kann ich zum jetzigen Moment den noch laufenden Koalitionsverhandlungen nicht vorgreifen. Gleichwohl kann ich bereits jetzt sagen: Bildung, Wissenschaft und Forschung werden auch in der nächsten Legislaturperiode eine wichtige Rolle spielen und aller Voraussicht nach weiter gestärkt werden. 2015 haben wir erstmals das Ziel erreicht, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung einzusetzen. Bis 2025 sollen die gesamtstaatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung mehr als 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, also des Bruttoinlandsprodukts, sein. Denn Deutschland soll weltweit zu den Spitzenländern bei Investitionen in Bildung und Forschung zählen.

Wichtig ist dabei auch, dass wir die Hochschulen weiterhin stärken. Ich möchte nur die Schlagworte Fortführung des Hochschulpaktes und der Exzellenzstrategie – in welcher Form auch immer – nennen. Auch die Digitalisierung wird eine zunehmende Rolle in der Wissenschaftspolitik spielen. Hier haben wir mit der Gründung des „Internet-Instituts für die vernetzte Gesellschaft“ bereits gute Grundlagen geschaffen. Das Institut soll die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen. Dafür stellen wir Fördermittel in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro in den ersten fünf Jahren bereit.

Auch Forschung wird weiterhin gestärkt. Hier sind die Hightech-Strategie, der Pakt für Forschung und Innovation und die momentan diskutierte Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung zu nennen.

  1. Aktivitäten des BMBF mit internationaler Bedeutung

Meine Damen und Herren,

soweit ein kurzer Ausblick auf die kommende Legislaturperiode unter dem Blickwinkel Wissenschaft und Forschung. Bis sich die neue Koalition und damit auch die Regierung gebildet haben, sind wir allerdings nicht untätig. Wir arbeiten weiterhin an Themen, denen auch international hohe Bedeutung beigemessen werden. Ich möchte Ihnen drei Beispiele nennen:

1. Erstens, die Umwelt:

Wir haben vor kurzem ein umfassendes Forschungsprogramm zu Plastik in der Umwelt aufgelegt. Insgesamt stellen wir dafür 35 Millionen Euro zur Verfügung. Damit ist dieses Programm eines der weltweit größten Forschungsprogramme zum Thema Plastik bisher. Die Projekte laufen bis 2021.

Folgende zwei Ziele verfolgen wir damit:

Erstens, über ein besseres Verständnis des gesamten Plaste-Lebenszyklus sollen Maßnahmen entwickelt werden, die zu weniger Plastikmüll in der Umwelt führen.

Zweitens sollen Bildungsmaßnahmen das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen und Impulse geben, das Verhalten zu ändern und so die Verschmutzung zu reduzieren.

Die Wanderausstellung „Ocean Plastics Lab“ trägt ebenfalls dazu bei. Um auf die weltweite Verschmutzung der Weltmeere mit Plastikmüll aufmerksam zu machen, haben wir in Zusammenarbeit mit dem Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) seit September parallel zum G7-Wissenschaftsministertreffen in Turin auch die Wanderausstellung „Ocean Plastics Lab“ auf den Weg gebracht. Sie macht im November Station in Paris. Danach ist geplant, dass sie nach Brüssel weiterreist. Diese Maßnahme hat sich aufgrund der Diskussionen bei den G7-Wissenschaftsministertreffen entwickelt.

2. Zweitens, die Gesundheit:

Mit 56,5 Millionen Euro wollen die Bundesrepublik Deutschland und weitere internationale Geldgeber die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika vorantreiben. Die Mittel wurden der Globalen Partnerschaft für Antibiotika-Forschung und Entwicklung – GARDP zugesagt. Internationale Produktentwicklungspartnerschaften wie GARDP sind für Deutschland ein wichtiges Instrument, um dringend benötigte neue Antibiotika und Diagnostika erfolgreich und schnell zu entwickeln. In wichtigen Fragen der Gesundheitsforschung sind bedeutende Fortschritte nur durch länderübergreifende Kooperationen zu erzielen.

3. Drittens, die Arbeitswelten der Zukunft:

Eine zentrale Initiative in der Wissenschaftskommunikation unseres Hauses sind die Wissenschaftsjahre. Diese richtet das BMBF seit dem Jahr 2000 aus. Das Wissenschaftsjahr 2018 wird sich den Arbeitswelten der Zukunft widmen. Neben den Chancen von technischen Innovationen, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und Industrie 4.0 sollen dabei auch die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Veränderung von Arbeitswelten beleuchtet werden. Wichtig ist auch, dass die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung bei der Gestaltung der Arbeitswelt deutlich wird.

Künftig werden wir die Wissenschaftsjahre auch als Grundlage für die thematische Orientierung der internationalen Forschungsmarketingkampagnen nutzen. Damit erhalten die Wissenschaftsjahre neu eine internationale Ausrichtung. Für die Kampagne von 2018 bis 2020 ist folglich auch das Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ geplant.

  1. Abschluss

Meine Damen und Herren,

soweit ein Überblick über Schwerpunkte unserer internationalen Aktivitäten. Gerne können wir zu einigen Punkten oder auch darüber hinaus während des Essens noch detaillierter sprechen. Besonders interessiert mich auch Ihr Blick von außen auf die Wissenschaftspolitik in Deutschland!

Zunächst bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche guten Appetit.