Wo bleibt der Plastikmüll im Ozean?

Jahr für Jahr landen Millionen Tonnen Plastik im Ozean. Auf der aktuellen Expedition des Forschungsschiffs SONNE machen Forscherinnen und Forscher Jagd auf Mikroplastik, um herauszufinden, wo die Kunststoffe verbleiben.

Mit einem Kastengreifer werden Proben vom Meeresboden genommen, um sie auf Plastikpartikel hin zu untersuchen. Dieses Bild entstand während der ersten HOTMIC-Expedition mit dem Forschungsschiff POSEIDON im September 2019.
Mit einem Kastengreifer werden Proben vom Meeresboden genommen, um sie auf Plastikpartikel hin zu untersuchen. Dieses Bild entstand während der ersten HOTMIC-Expedition mit dem Forschungsschiff POSEIDON im September 2019. © Mark Lenz/GEOMAR

Deutschland hat dem Plastikmüll in der Umwelt den Kampf angesagt: Ende November hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen, das leichte Plastiktüten verbietet. Dennoch landen weltweit viele Millionen Tonnen Kunststoffe in den Weltmeeren. Was im Ozean mit dem Plastikmüll passiert, ist noch ungeklärt: „Weniger als zehn Prozent des in die Meere gelangenden Plastiks kann derzeit nachgewiesen werden“, sagt Aaron Beck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Wege des Mülls nachverfolgen

Der Meereschemiker Beck leitet die aktuelle Expedition auf Deutschlands modernstem Forschungsschiff, der SONNE. Ziel ist es, den Weg des Plastiks vom europäischen Kontinent zu den großen Müllwirbeln im Atlantik nachzuverfolgen. Die Jagd nach dem Plastikmüll führt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Atlantik westlich von Frankreich und Spanien und dann weiter in den zentralen Atlantik südlich der Azoren. „Hier haben bereits frühere Studien eine erhöhte Konzentration von Plastikteilen im Meerwasser nachweisen können“, erklärt Beck.

Biologie könnte wichtige Rolle bei Transport von Mikroplastik in die Tiefsee spielen

An jeder Station wird das Team Wasserproben von der Oberfläche bis knapp über dem Meeresboden nehmen und mit Spezialnetzen Plastikpartikel aus der gesamten Wassersäule sammeln. Außerdem wird es Sedimentkerne aus dem Meeresboden ziehen, um sie auf Plastikteile zu analysieren. Mit geschleppten Kameras werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Meeresboden zusätzlich auf größere Plastikteile hin untersuchen. „Außerdem ist für uns wichtig zu sehen, welche Tiere und Planktonorganismen dort leben und möglicherweise mit dem Plastik interagieren“, so Beck. Studien deuten darauf hin, dass die Biologie eine wichtige Rolle beim Transport des Mikroplastiks von der Oberfläche Richtung Tiefsee spielen könnte.

Die Forscherinnen und Forscher werden Weihnachten und Silvester auf hoher See verbringen. Am 5. Januar wird die SONNE wieder in Emden erwartet.

Die Expedition SO279

Die Expedition SO279 ist Teil des vom BMBF mit rund 700.000 Euro geförderten Projekts HOTMIC (HOrizontal and  vertical oceanic distribution, Transport, and impact of MICroplastics), das wiederum in die zwischenstaatliche Forschungsinitiative JPI Oceans eingebettet ist. Ziel von JPI Oceans ist es, mehr über den Ursprung, den Transport und das Schicksal von Plastikmüll von den Flussmündungen bis zu den ozeanischen Müllwirbeln zu erfahren. Zusätzlich liefert die aktuelle Expedition Daten und Proben für das vom BMBF mit rund 2,2 Millionen Euro geförderte Projekt PLASTISEA (Harvesting the marine Plastisphere for novel cleaning concepts), das sich mit potenziellen mikrobiologischen Abbauprozessen von Kunststoffen im Meer beschäftigt.