Zoonosen-Forschung: Neue Förderinitiative gestartet

Das Bundesforschungsministerium stärkt die Erforschung von Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind. Staatssekretär Schütte spricht im Interview über die Ziele, die mit dieser Förderung verbunden sind.

Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Denzel, Jesco / BPA

Herr Schütte, das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat eine neue Förderinitiative zu zoonotischen Infektionskrankheiten gestartet. Warum ist die Erforschung von Zoonosen so wichtig?

Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder Epidemien verursacht, in Deutschland und weltweit. Begriffe wie Schweinegrippe, Vogelgrippe oder Ebola klingen uns allen noch im Ohr. Nur eine intensive Erforschung von zoonotischen Erkrankungen kann uns dabei helfen, in Zukunft gegen solche Infektionswellen gewappnet zu sein.

Der Begriff „Zoonose“ setzt sich aus den altgriechischen Begriffen „zoon“ für Lebewesen und „nosos“ für Krankheit zusammen.
 

Welche Ziele werden mit der Förderung durch das Bundesforschungsministerium verfolgt?

Unser Ziel ist es, mit der Förderinitiative ein nationales Forschungsnetz für zoonotische Infektionskrankheiten aufzubauen, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Humanmedizin, der Veterinärmedizin, dem Lebensmittelbereich sowie der Umweltforschung zusammenbringt. Weil Zoonosen Krankheiten sind, die sowohl Mensch als auch Tier betreffen, kann nur ein interdisziplinärer Forschungsansatz erfolgreich sein. Wir sprechen auch oftmals von einem „One Health“-Ansatz. Dabei ist es wichtig, auch Einrichtungen wie die Landesgesundheitsämter, die lokalen Gesundheitsämter, die Veterinärämter und die Einrichtungen aus dem Umweltbereich in die Forschung miteinzubeziehen, um die Ausbreitung von Zoonosen zu verhindern. Langfristig soll die so geförderte, anwendungsorientierte Forschung zur Vorbeugung und Bekämpfung von zoonotischen Infektionskrankheiten beitragen.

Eine Infektion mit einem Erreger über Lebensmittel: Können Sie dafür ein aktuelles Beispiel nennen?

Lebensmittel können Infektionserreger wie Salmonellen oder auch E. coli-Darmbakterien auf den Menschen übertragen. Zuletzt hat ein Fall im Jahr 2011 für Aufsehen gesorgt. Vermutlich waren Sprossen mit EHEC-Erregern, also einer bestimmten Art von E. coli Bakterien, infiziert. Allein in Deutschland waren rund 4000 Menschen an schwerem Durchfall erkrankt. Diese Epidemie hat einmal mehr gezeigt, wie dringlich die systematische und vernetzte Erforschung von Zoonosen ist.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass Epidemien mit zoonotischen Erkrankungen oftmals akut sind. Die EHEC-Epidemie und der Ebola-Ausbruch in Westafrika belegen das. Ist das neue Förderprogramm dafür ausgelegt?

Die Förderinitiative ist genau aus diesem Grund bewusst als Projektförderung konzipiert. So haben wir einerseits die Möglichkeit, ein breites Spektrum an Forschungsvorhaben in Deutschland zu fördern, von der Charakterisierung der Erreger, über die Wirkstoffentwicklung bis zur Epidemiologie, also der Forschung zu Ursachen und Verbreitung der Krankheiten. Andererseits können wir so sehr kurzfristig und gezielt auf Infektionswellen reagieren. Das haben wir auch bei der Ebola-Krise im Jahr 2014 so gehandhabt. Wir haben in einem schnellen Verfahren ein Sofortprogramm für die Interventions-Forschung bewilligt.

Stichwort Vernetzung: Im Oktober haben sich die Wissenschaftsminister der G7-Staaten in Berlin getroffen. Wie wichtig waren dabei auch die Zoonosen?

Die Wissenschaftsminister der G7 haben über einen verstärkten gemeinsamen Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten beraten, die ganz überwiegend Menschen in den Entwicklungsländern betreffen. Viele dieser sogenannten armutsbedingten und vernachlässigten Krankheiten sind Zoonosen.  Mit dem Forschungsnetz zu zoonotischen Infektionskrankheiten geben wir deutschen  Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, die Ursachen dieser Krankheiten genau zu erforschen und neue Therapien zu entwickeln. Davon wiederum profitieren die betroffenen Menschen in den Armutsregionen der Welt. Deshalb ist die neue Förderinitiative bereits ein Teil des deutschen Beitrags zu der von den G7 vereinbarten Bekämpfung armutsbedingter Infektionskrankheiten.

Rund 70 Prozent der beim Menschen vorkommenden Infektionskrankheiten sind Zoonosen, die zwischen Tieren und Menschen übertragen wurden. Ein Beispiel für eine Zoonose ist das Denguefieber, das auch zu den armutsassoziierten, vernachlässigten Krankheiten zählt. Das Dengue-Virus wird vornehmlich in tropischen und subtropischen Gebieten durch Mückenstiche übertragen. Die Krankheit äußert sich häufig mit unspezifischen oder grippeähnlichen Symptomen, kann jedoch auch lebensbedrohliche innere Blutungen hervorrufen, das sogenannte „Hämorrhagischen Denguefieber“. Die WHO schätzt, dass jährlich 50 bis 100 Millionen Menschen am Denguefieber erkranken.