Zukunftscluster-Initiative

Die Schlagkraft regionaler Netzwerke nutzen, um aus exzellenter Forschung die Innovationen der Zukunft entstehen zu lassen: dafür steht die neue Zukunftscluster-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Die Zukunftscluster leisten einen besonderen Beitrag zum Wissens- und Technologietransfer. © ©metamorworks - stock.adobe.com

Die Vision

Als neues Flaggschiff der Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung leisten die Zukunftscluster einen besonderen Beitrag zum Wissens- und Technologietransfer. Sie knüpfen mit dem regionalen Ansatz der Clusterförderung unmittelbar an die Spitzenforschung an und sorgen so dafür, dass technologische sowie soziale Innovationen schneller im Alltag der Menschen ankommen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass Deutschland seine starke Position unter den weltweiten Innovationsführern behaupten kann und die Herausforderungen in wichtigen Zukunftsfeldern meistert – ob neue Mobilitäts- und Kommunikationslösungen, die Gestaltung von Wirtschaft und Arbeit 4.0, personalisierte Ansätze in der Medizin oder innovative Beiträge für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft. Mit der Zukunftscluster-Initiative startet der Wettbewerb um die besten Ideen für neue Wertschöpfung in Deutschland.

Von exzellenter Forschung zu exzellenten Innovationen

Deutschlands Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind im Bereich der grundlegenden Forschung exzellent aufgestellt. Mit der Exzellenzstrategie und den Wissenschaftspakten geben wir der Spitzenforschung eine dauerhafte Perspektive. Entscheidend ist aber auch, dass der Transfer vielversprechender Forschungsergebnisse in Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreich funktioniert. Hier können wir uns noch verbessern. Mit unseren Zukunftsclustern verknüpfen wir Deutschlands Spitzenforschung frühzeitiger mit Fragen der Anwendbarkeit und setzen Innovationsprozesse zügiger in Gang. So werden aus den besten Ideen schnell neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen.

Regionale Spitzenstandorte als schlagkräftige Innovationsnetzwerke

Wir fördern Spitzenstandorte in ganz Deutschland und sorgen dafür, dass aus wissenschaftlichen Hotspots schlagkräftige regionale Innovationsnetzwerke werden. Denn besonders erfolgreich gelingt der Transfer aus der Forschung in die Anwendung dort, wo sich geografisch konzentrierte Partnerschaftsstrukturen mit einer langfristigen Perspektive entwickeln. Überall wo Ideen aufkeimen, bedarf es verlässlicher Partner zur Umsetzung. Regionale Innovationsnetzwerke stehen für eine vertrauensbasierte Zusammenarbeit aller relevanten Akteure in einer Region entlang einer gemeinsamen Strategie für ein gemeinsames Themen- oder Technologiefeld. Mit den Zukunftsclustern wollen wir unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen einer Region neu bündeln und so die Silicon Valleys von morgen entstehen lassen.

Mutige Wege für den Wissens- und Technologietransfer

Als nächste Generation von regionalen Innovationsnetzwerken sind die Zukunftscluster dynamischer und risikofreudiger als je zuvor. Sie stehen für Pioniergeist, Kreativität und gemeinschaftliche Stärke. Zukunftscluster verkörpern eine offene Innovations- und Wagniskultur, in der sich relevante Partner in aufkeimenden Technologie- und Wissensfeldern neu vernetzen. So entstehen branchen-, themen-, technologie- und disziplinübergreifende Kooperationen, die neue Impulse setzen und Grenzen überwinden. Dafür verlassen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ausgetretene Pfade, überwinden systemische Grenzen und schaffen neue Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Disziplinen, zwischen Nutzerinnen und Nutzern, Anbietern und Produzenten.

Die Förderung

Zeitstrahl Zukunftscluster-Initiative © Forschungszentrum Jülich

Die Zukunftscluster-Initiative ist als wettbewerbliches Verfahren ausgelegt. Ausgewählt werden solche Forschungsansätze, die gemäß der Richtlinie zu den Zielen der Förderinitiative am stärksten beitragen. Der Maßnahme liegt das abgebildete Förderschema zugrunde. Demnach gilt:

  • Gefördert wird die Entwicklung von herausragenden regionalen Clustern in Innovationsfeldern mit hohem Wachstumspotential in bis zu drei Umsetzungsphasen über jeweils drei Jahre. Cluster im Sinne der Richtlinie sind Innovationsnetzwerke, die eine kritische Masse an innovationstreibenden Akteuren innerhalb einer Region und eines neuen Forschungs- und Innovationsfeldes zusammenschließen.
  • Vorgesehen sind mehrere Wettbewerbsrunden, die jeweils gesondert bekanntgegeben werden. Je Wettbewerbsrunde werden voraussichtlich fünf bis sieben Cluster gefördert.
  • Der jeweils ersten Umsetzungsphase einer Wettbewerbsrunde geht ein zweistufiger Auswahlprozess voraus. Dieser umfasst die Einreichung einer Wettbewerbsskizze durch eine antragsberechtigte Organisation sowie eine sechsmonatige Konzeptionsphase. Aus den jeweils vorliegenden Wettbewerbsskizzen werden bis zu 15 für die Konzeptionsphase ausgewählt.
  • Die sechsmonatige Konzeptionsphase wird mit bis zu 250.000 Euro gefördert. Projekte der Konzeptionsphase können nur gefördert werden, wenn es sich um nichtwirtschaftliche Tätigkeiten handelt. Es wird ein Eigenanteil von mindestens 20 % erwartet. Die Phase dient dazu, die vorab in einer Wettbewerbsskizze präsentierten Ideen und Ansätze weiter auszuführen. Es werden eine Forschungs- und Innovationsstrategie sowie zur Umsetzung notwendige Vorhaben erarbeitet. Die Konzeptionsphase sollte von einer Organisation geführt und koordiniert werden, die in der Region eine führende Rolle in den Forschungsfragestellungen einnimmt, welche die thematische Grundlage dieser Strategie bilden. Dazu muss sie über eine nachweislich ausgezeichnete Vernetzung mit den für einen Cluster relevanten Akteuren verfügen.
  • Zur Förderung in der Umsetzungsphase ausgewählt werden die Wettbewerbsbeiträge mit besonders aussichtsreichen Strategien und Projekten. Für jede der drei maximal möglichen, aufeinander aufbauenden dreijährigen Umsetzungsphasen stehen pro gefördertem Cluster und Jahr Fördermittel in Höhe von bis zu 5 Millionen Euro zur Verfügung. Dabei sehen die drei Umsetzungsphasen eine zunehmende – auch finanzielle – Beteiligung der Wirtschaft verbunden mit einer zunehmenden Etablierung der Clusterstrukturen und einer zunehmenden Anwendungsorientierung der geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben vor.
  • Unter Berücksichtigung der zulässigen Beihilfeintensitäten und unter der Voraussetzung einer angemessenen Eigenbeteiligung - bei Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mindestens 50 % der entstehenden zuwendungsfähigen Kosten - wird ein über alle Förderprojekte der jeweiligen Umsetzungsphase gemittelter Eigenanteil von mindestens
    • 20 % für die 1. Umsetzungsphase,
    • 35 % für die 2 Umsetzungsphase und
    • 50 % für die 3. Umsetzungsphase erwartet.
  • Die Förderung in einer nachfolgenden Phase setzt eine positive Begutachtung der Ergebnisse der vorhergehenden Phase voraus und steht unter dem Vorbehalt der Bereitstellung entsprechender Haushaltsmittel.
  • Am Ende einer Umsetzungsphase ist zur Fortsetzung der Förderung in einer nachfolgenden Phase, die Strategie weiterzuentwickeln und sind Anträge der für ihre Umsetzung erforderlichen weiteren Projekte einzureichen.

Die Auswahl der Konzepte und Cluster sowie die Entscheidung zum Übergang in eine höhere Umsetzungsphase wird auf der Grundlage aussagekräftiger Kriterien durch eine hochrangig besetzte, unabhängige Jury erfolgen.

Informationsveranstaltungen und Live-Chat

Nach zwei Informationsveranstaltungen zur Zukunftscluster-Initiative im Bundesministerium für Bildung und Forschung (30. August 2019 in Berlin und 02. September 2019 in Bonn) hatten interessierte Wettbewerber am 07. Oktober 2019 eine weitere Gelegenheit, sich vor Einreichung ihrer Wettbewerbsskizzen in einem Live-Chat mit dem verantwortlichen Team des Projektträgers Jülich sowie dem zuständigen BMBF-Referat auszutauschen.

Wie funktioniert die Förderung genau, und nach welchen Kriterien werden die Regionen ausgewählt? Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Ziele werden nun mit der Förderung der Zukunftscluster verfolgt?

Grundlegende Ergebnisse aus der Spitzenforschung, die an der Schwelle zur Anwendung stehen, sollen schnell in erfolgreiche Produkte, Prozesse und Dienstleistungen überführt werden. Dabei geht es nicht nur um einzelne Innovationen, vielmehr sollen möglichst viele Partner und Akteure aus einer Region von den Ergebnissen der Forschung profitieren und neue gemeinsame Innovations- und Wertschöpfungsketten aufbauen. Der Wettbewerb ist grundsätzlich themenoffen, im Blick stehen die großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Wie profitiert die Gesellschaft von den Ergebnissen der Zukunftscluster-Initiative?

Durch die Initiative werden regionale Akteure aus Wissenschaft, Unternehmen, und Gesellschaft auf Basis von vielversprechenden Forschungsergebnissen miteinander vernetzt, um neue Technologie- und Wissensfelder weiter zu entwickeln. Dabei steht eine möglichst schnelle Überführung dieser Ergebnisse in die Anwendung im Vordergrund, so dass Innovationen im Alltag der Menschen ankommen und unmittelbar genutzt werden können.

Welche Akteure werden konkret gefördert? Welchen Charakter haben die geförderten Projekte?

Jede Wettbewerbsrunde startet zunächst mit einer Konzeptionsphase, in der bis zu 15 regionale Innovationsnetzwerke über ein halbes Jahr mit einer Förderung von 250.000 Euro und einer Eigenbeteiligung von 20 Prozent ihre Clusterentwicklungsstrategien ausarbeiten können. Diese Projekte sind in der Regel bei beteiligten Hochschulen und Forschungseinrichtungen angesiedelt. Anschließend können die ausgewählten Zukunftscluster in maximal drei aufeinander aufbauenden Förderperioden von je drei Jahren ihre Konzepte umsetzen. Zunächst werden sich vor allem Hochschulen, Forschungseinrichtungen und forschungsstarke Unternehmen (Start-ups, KMU und Großunternehmen) beteiligen. Im weiteren Verlauf und mit steigender Anwendungsnähe kommen weitere Akteure hinzu. Sie vernetzen sich dynamisch im Sinne einer offenen Innovationskultur.

Können bestehende Cluster, z. B. Spitzencluster gefördert werden?

Junge Forschungsergebnisse mit einem hohen Durchbruchpotenzial sollen die Grundlage dafür sein, dass sich die nächste Generation von regionalen Innovationsnetzwerken an den wissenschaftlichen Hotspots Deutschlands entwickeln kann. Hier geht es um die Schaffung von neuen Kooperationsgefügen und disziplinübergreifenden Ansätzen. Dagegen haben bisherige Initiativen, wie der Spitzencluster-Wettbewerb, Innovationsregionen adressiert, die in einem spezifischen Themen- oder Technologiefeld bereits entwickelt und wirtschaftlich erfolgreich waren. Mit den Zukunftsclustern setzen wir früher an und bauen die Spitzencluster von morgen auf.

Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass die bisher erfolgreichen Regionen und ihre bewährten Akteure auch bei dieser Initiative erfolgreich sein können, wenn sie neue, für ihr bisheriges Feld vielleicht sogar disruptive Erkenntnisse aufgreifen und das Spektrum der Akteure über die Organisations-, Fach- und Themengrenzen hinaus erweitern.

Wie wird überprüft, ob die Zukunftscluster ihre Strategien erfolgreich realisieren?

Zum Ende jeder dreijährigen Förderperiode müssen die Zukunftscluster einen Fortschrittsbericht vorlegen. Zudem müssen auf Basis einer fortgeschriebenen Strategie weiterführende Anträge zur Projektförderung in der folgenden Periode gestellt werden. Auf dieser Grundlage wird die unabhängige, expertengeleitete Jury eine Empfehlung zur Fortsetzung der Förderung abgeben. Insgesamt ist eine Förderung von 3x3 Jahren möglich.

Welcher Finanzrahmen ist vorgesehen?

Die Bundesregierung beabsichtigt, mit den ersten beiden Wettbewerbsrunden, die beide noch in dieser Legislaturperiode (bis 2021) starten sollen, Mittel in Höhe von bis zu 450 Millionen Euro bereitzustellen. Weitere Wettbewerbsrunden werden in Aussicht gestellt. Rechnet man die durch die Maßnahme angeregten Folgeinvestitionen ein, so können durch die Zukunftscluster in den kommenden zehn Jahren bis zu einer Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert werden . Zunächst sollen bis zu 15 Wettbewerber für eine Konzeptionsphase ausgewählt und mit bis zu 250.000 Euro gefördert werden. Für jede der drei maximal möglichen, aufeinander aufbauenden dreijährigen Umsetzungsphasen sind pro gefördertem Cluster und Jahr Fördermittel in Höhe von bis zu fünf Millionen Euro vorgesehen.

Wie sieht der Auswahlprozess aus?

Die Auswahl der Konzepte und Cluster wird auf Grundlage aussagekräftiger Kriterien durch eine hochrangig besetzte, unabhängige Jury erfolgen. Die Namen der Jury werden auf der Webseite des BMBF veröffentlicht. Zur Unterstützung der Bewertung der FuE-Projekte in den Clustern werden Fachgutachten hinzugezogen, die in die Gesamtbewertung mit einfließen.

Wann werden die ersten Zukunftscluster feststehen?

Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bereits bis zum 15. November 2019 sollen die angesprochenen Akteure ihre Skizzen vorlegen. Ausgewählte Wettbewerber haben anschließend sechs Monate Zeit, ihre Zukunftscluster-Idee zu beschreiben und geeignete Verbünde zu bilden. Die ausgearbeiteten Strategien der 15 Kandidaten werden bis November 2020 erwartet, so dass die Bekanntgabe der Finalisten und als Zukunftscluster Geförderten schließlich Anfang 2021 erfolgen kann.