Zukunftskongress: Die besten Ideen für morgen

Künstliche Intelligenz eröffnet viele Chancen. Aber: "Sie muss dem Menschen dienen!", sagt Ministerin Karliczek beim Zukunftskongress. Dafür müsse sie vielseitig sein: leicht zu bedienen, für alle verständlich und transparent.

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Eröffnung des "4. Zukunftskongresses: Technik zum Menschen bringen" am 21. Mai 2019 im World Conference Center in Bonn.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Schülerinnen und Schüler!

Unten am Rhein entlang führt eine der schönsten Fahrradstrecken, die ich kenne. Einige von Ihnen haben sie vielleicht auf dem Weg hierher benutzt. Zum Beispiel die Schülerinnen und Schüler des Mathe-Leistungskurses der Otto-Kühne-Schule. Aber dieser Fahrradweg ist nicht nur einer der schönsten, sondern auch einer der engsten. Wäre es nicht gut, wenn Fahrräder in Zukunft wie Autos auch Assistenzsysteme hätten? Mit Sensoren, die ihre Umgebung erkennen und Unfälle vermeiden. Mit Elektronik, die Hinweise und Tipps zum Fahren geben kann.

Das Projekt Safety4Bikes ist nur ein Beispiel von vielen, wie sich mit virtueller Realität der Verkehr in der Stadt besser simulieren und planen lässt. Um die besten Ideen für Morgen geht es heute auf diesem Zukunftskongress!

Ob auf dem Fahrrad, in der Pflege, für unsere Gesundheit oder bei der Arbeit: Die Technik ist in unserem Alltag angekommen. Je ausgefeilter sie wird, desto besser kann sie uns unterstützen. Aber: Künstliche Intelligenz muss dem Menschen dienen!

Sie hält unendlich viele Chancen bereit. Immer mehr Unternehmen kombinieren ihr Wissen über ihre Produkte und Fertigungsverfahren mit KI. Auch die Wissenschaft arbeitet ganz selbstverständlich damit und macht sie jeden Tag noch ein bisschen besser.

Bei der Künstlichen Intelligenz stehen wir vor drei Herausforderungen:

Wir brauchen digitale Spitzentechnologie, die jeder versteht und der man vertrauen kann. Dafür müssen wir unsere Daten schützen. Und wir müssen bei unserer Forschung von Anfang an die Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot holen.

Jeden Tag sprechen und lesen wir von Künstlicher Intelligenz. Im BMBF haben wir unser Wissenschaftsjahr der KI gewidmet. Da zeigen wir erste Erfolge in ganz konkreten Anwendungs-Szenarien. Die Künstliche Intelligenz kann ein wunderbares Werkzeug sein. Aber die Nutzung muss einfach sein.

Ich finde es wichtig, dass wir Algorithmen kritisch hinterfragen. Sie unterstützen dabei, Bewerber auszuwählen, beurteilen ob jemand kreditwürdig ist oder vielleicht sogar ein Partner fürs Leben sein könnte.

Die Ergebnisse müssen wir überprüfen. Und auf unsere Rückfragen brauchen wir klare Antworten!

Unser Ziel ist eine Künstliche Intelligenz, die sehr vielseitig ist:

  • leicht zu bedienen
  • transparent
  • die uns Menschen optimal unterstützt.

Keine Frage: Wir brauchen digitale Spitzentechnologien! Aber sie müssen sich daran orientieren, was die Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft brauchen.

Das schaffen die Techniker nicht allein. Denn neben den technologischen Herausforderungen müssen auch gesellschaftliche Fragen beantwortet werden:

Welche Folgen hat die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt, für den Alltag, für unser ganzes Leben?

Dafür müssen die Techniker von Anfang an zusammen forschen mit den Expertinnen und Experten für Ethik, rechtliche Aspekte und Sozialwissenschaften. Deshalb freue ich mich besonders, dass heute die Fachcommunity der Mensch-Technik-Interaktion, die aus so vielen verschiedenen Bereichen kommt, hier zusammentrifft. Dass Sie sich besser kennenlernen, austauschen und vernetzen! Nur so können wir diese politischen Fragen im Sinne der Menschen und der Gesellschaft angehen.

Technische Lösungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie gesellschaftlich akzeptiert sind. Deshalb müssen Wissenschaft und Gesellschaft häufig und ehrlich miteinander kommunizieren.

Die Wissenschaftskommunikation ist für mich elementarer Bestandteil der Forschung. Sie ist keine Werbung für Forschungsergebnisse. Nein, sie sorgt dafür, dass Bürgerinnen und Bürger frühzeitig Einblick in Entwicklungen bekommen. Nur wenn sie verstehen, was wir erforschen, können gesellschaftliche Wertvorstellungen berücksichtigt werden.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Gesundheit: Im Projekt „HIVE-Lab“ fördern wir eine Art Flugsimulator. Fliegen ist mit oder ohne Flugzeug eine besondere Faszination. Dieser Flugsimulator besonders: Denn er wird mit vollem Körpereinsatz gesteuert. Den Simulator vom HIVE-Lab können Sie hier auf dem Kongress ausprobieren. Nutzen Sie diese Gelegenheit!

Technische Systeme werden immer leistungsfähiger. Sie handeln teilweise bereits autonom. Damit unterstützen sie uns im Alltag so gut sie können. Aber wir müssen die letzte Entscheidung treffen. Wir müssen wissen können, ob das System einwandfrei arbeitet. Das ist es, was wir meinen, wenn wir sagen: Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Forschung zu Robotik und Künstlicher Intelligenz.

Um Kontrolle geht es auch beim Umgang mit der großen Menge an Daten, die wir brauchen, um mit KI zu arbeiten. Digitale Souveränität – das ist das Motto dieses Zukunftskongresses. Wir wollen erkennen können, was mit unseren Daten passiert. Und die Kontrolle darüber behalten. Die EU hat dafür inzwischen strenge Vorschriften. In der Praxis führen sie aber nicht immer zu mehr Selbstbestimmung.

Egal ob jung oder alt, ob besonders technisch ausgebildet oder nicht: Ich möchte, dass alle Menschen moderne Technologien selbstbestimmt nutzen können. Wie die Daten verarbeitet werden, steht oft in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die meisten drücken „gelesen“, ohne auch nur einen Blick auf die AGBs geworfen zu haben.

In Zukunft könnte uns dabei ein Avatar helfen: Im Dialog klären wir dabei sämtliche Fragen zur Verarbeitung unserer Daten. Das kann bedeuten, dass wir unsere Daten jederzeit wieder löschen lassen. Auch wenn wir die App gerade nutzen. Solche Lösungen fördert das BMBF im Forschungsschwerpunkt „Mensch-Technik-Interaktion für digitale Souveränität“, für den Sie sich derzeit noch mit Ihren Ideen bewerben können.

„Souverän in die digitale Zukunft“ heißt auch unser Ideenwettbewerb. Wie wird es sein, wenn wir 24 Stunden am Tag mit digitalen Technologien vernetzt sind? Über 40 kreative Kurzvideos und Abstracts zur Mensch-Technik-Interaktion in der Zukunft haben Studierende eingereicht. Fünf nominierte Teams von der Shortlist präsentieren gleich hier im Plenum ihre Ideen. Das Live-Voting von Ihnen allen entscheidet, wer gewinnt. Heute Abend finden Sie es heraus!

Bevor Sie nun gleich die Kandidaten und ihre Ideen kennenlernen, komme ich zu meinem letzten Punkt:

Denn ich möchte, dass Forschungsergebnisse bei denen ankommen, die sie brauchen! Deshalb sind bei allen geförderten Forschungsprojekten die Nutzerinnen und Nutzer von Anfang an dabei. Sie probieren aus, was die Forschenden entwickeln. Sie geben Impulse. Das ist uns wichtig!

Bereits die Konzeption der technischen Lösungen können sie mitgestalten. Alle weiteren Entwicklungsschritte sollen sie direkt mit ihren Vorstellungen beeinflussen. Das ist ein partizipativer Ansatz. Innovation muss immer auch mit Blick aus der Gesellschaft vorangetrieben werden. Wenn wir Forschung für zukünftige Technologien fördern, dann haben wir immer den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt im Blick.

In einem Pflegeinnovationszentrum erforschen wir zum Beispiel neue Ideen für eine bessere Pflege. Gleichzeitig entwickeln Fachleute und Pflegebedürftige selbst in vier Pflegepraxiszentren diese Ideen mit. Diese Nähe zur Praxis funktioniert. Sie ist es auch, die die Projekte so erfolgreich macht. Interaktive Technologien und KI ermöglichen ganz neue Produkte und Dienstleistungen. Häufig sind es dann junge Unternehmen, Mittelständler und Start-ups, die diese Chancen ergreifen. Sie bringen unsere Gesellschaft damit ein Stück weiter in die digitale Zukunft.

Das wollen wir gezielt fördern. Im Sinne einer „neuen Gründerzeit“ möchten wir den Transfer von der Spitzenforschung zur Anwendung unterstützen. Es geht dabei um Ausgründungen aus den Forschungseinrichtungen. Und darum, die Innovationsprozesse in Unternehmen anzukurbeln. Wir brauchen in Deutschland junge Menschen, die den Mut haben, Neues zu denken. Sie sollen ihren vielversprechenden Weg in Wissenschaft und Forschung souverän beschreiten.

Ich freue mich besonders, dass sich so viele Studierende für unseren Ideenwettbewerb „Souverän in die digitale Zukunft“ interessiert haben. Ihre spannenden Beiträge und kreativen Visionen sind es, die unsere Gesellschaft braucht. Ich drücke Ihnen die Daumen für die Preisverleihung!

Allen anderen wünsche ich einen interessanten und erkenntnisreichen Zukunftskongress!