Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung mit europäischen Ländern

Die bilaterale Zusammenarbeit ist für Deutschland von zentraler forschungspolitischer Bedeutung. Aus ihr entstehen neue Netzwerke und Themen, die den Weg für multilaterale Kooperationen und für die Gestaltung des Europäischen Forschungsraums bahnen.

Gemeinsames Europa: Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung leistet dazu einen wichtigen Beitrag. © thinkstock

Politische Strategien umsetzen

Die bilateralen Aktivitäten mit europäischen Partnerländern unterstützen insbesondere die Umsetzung der Internationalisierungsstrategie der Bundesregierung beziehungsweise des Aktionsplans „Internationale Kooperation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie konzentrieren sich dabei vor allem auf die beiden Zielfelder „Wissenschaftliche Exzellenz durch internationale Zusammenarbeit“ und „Innovationspotenziale international erschließen“. Exzellenz und Innovation bilden damit zentrale Säulen der Kooperation.

Darüber hinaus tragen die bilateralen Initiativen zur Umsetzung der Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum bei. Die Bundesregierung setzt in ihrer Strategie auf eine intelligente Verzahnung nationaler, bilateraler und europäischer Forschungs- und Innovationspolitik. Die Maßnahmen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zielen dabei insbesondere auf die stärkere Einbindung der EU 13-Staaten in den Europäischen Forschungsraum. Damit tragen sie zur Stärkung der Leistungsfähigkeit des Europäischen Forschungsraums insgesamt bei. Ein weiteres Ziel ist darüber hinaus die verstärkte Beteiligung von Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie kleinen und mittleren Unternehmen aus Deutschland in europäischen Programmen und Initiativen.

Bilaterale Partnerschaften stärken

Eingebunden in die politischen Strategien konzentriert sich die aktuelle bilaterale Kooperation auf Frankreich, Großbritannien, Polen, Tschechische Republik, Ungarn, Griechenland und die Schweiz. Art und Format der Zusammenarbeit sind jeweils auf die gemeinsamen Interessen und Perspektiven ausgerichtet.

Mit Frankreich und Polen sind beispielsweise gemeinsame Forschungsforen ein wichtiges Format, um die bilaterale und europäische Kooperation zu stärken. Das 5. Deutsch-französische Forum fand am 8. Dezember 2014 in Paris statt. Mit Polen ist ein weiteres Forum geplant.

Auch mit der forschungs- und innovationsstarken Schweiz, gibt es regelmäßig gemeinsame Foren: das bislang letzte Innovationsforum fand im Frühjahr 2013 in Erlangen mit dem thematischen Schwerpunkt Medizintechnik statt.

Zur Stärkung der strukturellen Zusammenarbeit mit der Tschechischen Republik organisierten beide Länder am 19./20. Februar in Prag die 1. Tschechisch-deutsche Konferenz zur Vernetzung von Forschungsstrukturen; im Fokus standen die Themenfelder Materialphysik, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Umweltforschung.

Messeauftritte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Polen und der Tschechischen Republik unterstützten darüber hinaus in den vergangenen Jahren die Vernetzung der deutschen Wissenschaft mit wichtigen Partnern in diesen Ländern.

Hervorzuheben ist die in der jüngeren Vergangenheit intensivierte bilaterale Forschungskooperation mit Griechenland, die einen Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise leisten soll.

Regionale Ansätze unterstützen und Netzwerke aufbauen

Von besonderer Bedeutung für die regionale Kooperation in Europa sind die Strategien der Europäischen Union (EU) im Ostseeraum, der Donauregion und in der ionisch-adriatischen Region. Ihr Ziel ist es, Politik, Strategien und Instrumente besser zu koordinieren und zwischenstaatliche Kooperation zu verstärken. Diese sogenannten Makroregionen ermöglichen gerade auch in Bildung, Forschung und Innovation eine intensive Zusammenarbeit.

Schwerpunkt der Wissenschaftskooperation im Ostseeraum ist die Verknüpfung der innovationsstarken Nordischen Länder und Deutschland auf der einen Seite mit den 2004 der EU beigetretenen Ländern des Baltikums und Polen auf der anderen Seite. In der Donauregion besteht ein zentrales Ziel darin, die Forschungs- und Innovationskluft zwischen den Ländern des Donauober- und Unterlaufs zu schließen. In den letzten Jahren hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung intensiv im Donau- und Ostseeraum engagiert. Es hat unter anderem mit Förderbekanntmachungen die Bildung von innovativen Forschungs- und Entwicklungsnetzen nachhaltig gestärkt.

Darüber hinaus ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Donauraum Partner im europäischen Netzwerkprojekt Danube-INCO.NET. Das Danube-INCO.NET dient der Koordination der Forschungspolitik der Donauländer. Das Netzwerkprojekt unterstützt die Umsetzung der EU-Donauraum-Strategie unter anderem durch

  • Förderung des Politikdialogs in der Donauregion;
  • Intensive Beschäftigung mit den relevanten gesellschaftlichen Herausforderungen, insbesondere zu den Themen Energie-Effizienz und Erneuerbare Energien in einer biobasierten Wirtschaft;
  • Bereitstellung von Analysen für die Forschungs- und Innovationspolitik der Donauregion;
  • Aktivitäten zur Förderung von regionalen Innovationsstrategien, Technologietransfer und innovativen Projekten.

Forschungsstrukturen verbessern und Projekte vorbereiten

Über Förderbekanntmachung setzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung die politischen Strategien, insbesondere der Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum, um.

Mit der Förderung des Auf- und Ausbaus gemeinsamer Forschungsstrukturen von exzellenten deutschen Institutionen und Unternehmen mit Einrichtungen, Unternehmen und Regionen aus EU 13-Ländern leistet es einen wichtigen Beitrag zu Forschungs- und Innovationspartnerschaften auf institutioneller und struktureller Ebene. Es ergänzt mit dieser Fördermaßnahme die Teaming- und Twinning-Aktivitäten der EU.

Zur Vorbereitung von Projekten im EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation Horizont 2020 sowie in anderen forschungsrelevanten EU-Programmen hat das BMBF Ende 2004 die Bekanntmachung: „Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittelost- und Südosteuropa“ veröffentlicht. Diese ist bis Ende 2017 permanent geöffnet.

Europäische Zusammenarbeit in der Antarktis: Die deutsche Polarforschungsstation Neumayer III umhüllt von Nebelschwaden. Bei ruhigem Wetter bilden sie sich oft bei Sonnenuntergang. © Jölund Asseng