Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation

Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ist eine wesentliche Säule der deutsch-russischen Beziehungen. 2005 hatten beide Länder den politischen Willen bekräftigt, die Zusammenarbeit in einem breiten Spektrum von Forschungsgebieten auszubauen.

Politischer Rahmen

Am 16. Juli 2009 wurde das Abkommen über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (WTZ) von 1987 novelliert. Die Ziele der Zusammenarbeit mit Russland, verankert im WTZ-Abkommen, umfassen vor allem den Ausbau der Kooperationsbeziehungen zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen, die Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der innovationsorientierten angewandten Forschung zwischen deutschen und russischen Unternehmen, die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung, den Austausch junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie die Förderung gemeinsamer Forschungs- und Innovationsstrukturen.

Blick auf die Lomonossow-Universität in Moskau
Blick auf die Lomonossow-Universität in Moskau © Thinkstock

Am 11. April 2005 hatten die Regierungschefs beider Länder in Hannover die „Gemeinsame Erklärung über die deutsch-russische Strategische Partnerschaft in Bildung, Forschung und Innovation“ unterzeichnet. Diese gemeinsame Initiative, die vom Bundesbildungsministerium koordiniert wird, bündelt unter Einbeziehung von Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Öffentlicher Verwaltung die gemeinsamen Aktivitäten.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Unter dem Motto „Partnerschaft der Ideen“ brachte das Deutsch-Russische Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/12 die Vielfalt und Exzellenz deutsch-russischer Bildungs- und Forschungskooperationen in beiden Ländern zum Ausdruck. Darüber hinaus wurden bedeutende Impulse für gemeinsame, nachhaltige Initiativen geschaffen.

Initiiert durch das Bundesbildungsministerium präsentierte sich Deutschland zwischen März 2012 und März 2014 mit einer Schwerpunktkampagne unter der Marke „Research in Germany – Land of Ideas“ als attraktiver Partner in Bildung, Forschung und Innovation in Russland. Die thematischen Schwerpunktpunkte umfassten hierbei „Nanotechnologie, Umwelttechnologie/Energieeffizenz, Gesundheit und Optische Technologien. Die Zusammenarbeit mit Partnern, in fast allen Ballungsgebieten von St. Petersburg über Moskau bis Wladiwostok, wurden erfolgreich angestoßen beziehungsweise intensiviert.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Die Übereinstimmungen der Forschungsinteressen Deutschlands – die sich aus der Hightech-Strategie 2020 für Deutschland ableiten – und Russlands, festgelegt in den Föderalen Zielprogrammen 2014-2020, finden ihren Ausdruck in speziellen Fachvereinbarungen, die seit 1992 zu wichtigen Kooperationsschwerpunkten geschlossen wurden.

Hierzu zählen unter anderem:

  • Entwicklung und Anwendung von beschleunigerbasierten Photonenquellen
  • Optische Technologien
  • Meeres- und Polarforschung
  • Innovationsstrategien und Technologien für den nachhaltigen Umweltschutz und die rationelle Nutzung der natürlichen Ressourcen
  • Biologische Forschung und Biotechnologie

Vor dem Hintergrund der zwischen Deutschland und Russland bestehenden „Strategischen Partnerschaft“ ist die Förderung deutsch-russischer Kooperationen im Bereich angewandter, industrienaher und innovativer Forschung und Entwicklung von besonderer Bedeutung. Zur gezielten Stärkung der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet arbeitet der russische Fonds für die Unterstützung kleiner innovativer Unternehmen (FASIE) seit 2008 gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium zusammen.

Multilaterale Kooperation

Im multilateralen Kontext ist die strategische Initiative ERA.Net RUS Plus „Further linking Russia to the ERA: Coordination of MS/AC S&T programmes towards and with Russia“ hervorzuheben, über die das Bundesbildungsministerium im multilateralen Bereich die Forschungskooperation mit Russland unterstützt. Angestrebt wird eine stärkere Koordinierung nationaler Forschungsförderungsprogramme zwischen den EU- und russischen Partnern. Gemeinsam mit 30 Fördereinrichtungen (unter anderem Ministerien wie zum Beispiel dem Bundesbildungsministerium) werden im Zeitraum 2014 – 2018 multilaterale Forschungs- und Innovationsprojekte in den Förderlinien „Innovation“ (themenübergreifend) und „Science & Technology“ (Nanotechnologie, Umwelt/Klimawandel, Gesundheit sowie Sozial- und Geisteswissenschaften) ausgewählt und unterstützt.

Gemeinsamer Forschungs-, Bildungs- und Kulturraum

Ein weiteres EU-Projekt „Enhancing the bilateral S&T Partnership with the Russian Federation“ (BILAT-RUS-Advanced) mit starker Beteiligung des Bundesbildungsministeriums trägt zur nachhaltigen Verwirklichung des gemeinsamen Forschungs-, Bildungs- und Kulturraums zwischen Europa und Russland bei und strebt die Stärkung von Russlands Beteiligung an den Programmen der Europäischen Gemeinschaft an. Mit inhaltlicher und organisatorischer Unterstützung durch das Projekt hat sich eine Arbeitsgruppe für die Russland-Pilotinitiative im Rahmen des „Strategic Forum for International S&T Cooperation (SFIC)“ gebildet, die aus Vertretern der Mitgliedstaaten besteht, die auch in nationalen Russlandaktivitäten bewandert sind.