Russische Föderation

Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung ist eine tragende Säule der deutsch-russischen Beziehungen.

Deutschland und Russland verbindet eine langjährige und vielfältige Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung. Als Grundlage dient das Abkommen über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion von 1987, das 2009 erneuert wurde. Vor diesem Hintergrund haben beide Länder eine „Roadmap“ erarbeitet, um ihre Kooperation in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation zu vertiefen. Die Bildungs- und Wissenschaftsbeziehungen sind aufgrund ihrer thematischen Vielfalt und dank der beteiligten Akteure sehr facettenreich. Die Spanne der beteiligten Organisationen reicht von Ministerien über Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen bis hin zu Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen. Die kontinuierliche Zusammenarbeit hat zu guten persönlichen Beziehungen geführt und das dadurch entstandene Vertrauen bildet die Basis für besonders erfolgreiche Forschungsprojekte, bilaterale Studiengänge, eine konstruktive Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung sowie gemeinsam errichtete und genutzte Forschungsinfrastrukturen.

Meeres- und Polarforschung mit Modellcharakter für die deutsch-russische Zusammenarbeit

Deutschland und Russland arbeiten in der Erforschung der Arktis eng zusammen, um dadurch unser Verständnis vom globalen Klima zu verbessern. Mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des russischen Forschungsministeriums MinObrNauki sind nicht nur das gemeinsame Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung in St. Petersburg, sondern zum Beispiel auch der länderübergreifende Masterstudiengang für Polar- und Meereswissenschaften „POMOR“ an den Universitäten St. Petersburg und Hamburg entstanden. Aktuell fördern beide Ministerien im Rahmen einer Förderbekanntmachung verschiedene Forschungsvorhaben zur Meeres- und Polarforschung.

Deutsche und russische Polarforscher führen Klimastudien auf dem Meereis der Laptewsee durch. Ein Großteil des Meereises, das den Arktischen Ozean bedeckt, entsteht hier, 350 km vor der sibirischen Küste. Dieser Prozess beeinflusst auch das Klima in Nordeuropa. © GEOMAR / Dr. Heidemarie Kassens

Gemeinsame Forschungsinfrastrukturen

Deutschland und Russland kooperieren seit Langem erfolgreich bei der Entwicklung und dem Bau wissenschaftlicher Großgeräte. Zusammen mit weiteren internationalen Partnern betreiben und errichten die beiden Länder zwei einzigartige Großanlagen für die naturwissenschaftliche Forschung: Im Juli 2017 nahm nach siebenjähriger Bauzeit der europäische Röntgen-Freie-Elektronen-Laser European XFEL bei Hamburg seinen Betrieb auf. Der Laser kann hochintensive ultrakurze Röntgenblitze erzeugen und ermöglicht dadurch sowohl Forschenden als auch industriellen Anwendern, bestimmte Prozesse im Nanokosmos in Echtzeit zu betrachten. Das eröffnet neue Erkenntnisse und Anwendungen in den Bereichen Nanotechnologie, Energietechnik und Medizin.

Außerdem wollen beide Länder gemeinsam die fundamentalen Geheimnisse der Entwicklungsgeschichte des Universums entschlüsseln. Hierfür soll die neuartige Beschleunigeranlage FAIR, die am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entsteht, eine Grundlage bilden.

Berufsbildungskooperation

Die Russische Föderation hat in den vergangenen Jahren substanzielle Schritte unternommen, ein System rund um die duale Berufsausbildung zu entwickeln. Neben der Aus- und Weiterbildung von Berufsbildungspersonal und der Entwicklung von Prüfungsordnungen gehört auch das Thema der unabhängigen Prüfungsverfahren zu den Schwerpunkten der weiteren Zusammenarbeit.

Innovation

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Forschungseinrichtungen in beiden Ländern führen zusammen Forschungs- und Entwicklungsprojekte durch. Das ermöglicht eine schnellere Umsetzung von Ideen in innovative Produkte und Dienstleistungen. Dafür werden die Projekte durch deutsch-russische beziehungsweise europäisch-russische Fördermaßnahmen unterstützt.

Bioökonomie

Biowissenschaften und ihre Nutzung in einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsweise sind in Deutschland und Russland wichtige, zukunftsweisende Themen. Russland wird als starker Partner in der Entwicklung einer international wettbewerbsfähigen Bioökonomie gesehen. In den BMBF-Förderbekanntmachungen „Bioökonomie International“ ist Russland daher ein  geschätztes Partnerland. Bisher konnten im Rahmen der Initiative zwei Förderrunden bilateral mit dem russischen Wissenschaftsministerium durchgeführt werden.

Multilaterale Kooperation

Gemeinsam mit weiteren europäischen Akteuren stärkt Deutschland die EU-Russland-Zusammenarbeit. Über die Initiative „ERA.Net RUS Plus“ gestaltet das BMBF die EU-Russland-Forschungskooperation von europäischer Seite federführend mit. Mit 27 Fördereinrichtungen aus 17 Ländern werden im Zeitraum 2014 bis 2021 multilaterale Forschungs- und Innovationsprojekte in den Förderlinien Innovation und Science & Technology unterstützt.