"Zwei der zentralen Megatrends unserer Zeit"

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Rachel anlässlich der Vorstellung des BMBF-Aktionsplans „Natürlich.Digital.Nachhaltig.“ am 16. Dezember 2019 auf der WBGU Konferenz „Zukunft gestalten: Digital und nachhaltig!" in Berlin.

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede.
Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede. © fotografie mo wüstenhagen / WBGU

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Sickert,

vielen Dank für die freundliche Begrüßung.

Sehr geehrte Frau Professorin Schlacke und sehr geehrter Herr Professor Friesike,

herzlichen Dank für diese großartige Konferenz. Ich freue mich sehr hier zu sein.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei der zentralen Megatrends unserer Zeit. „Zwei Megatrends in einer Konferenz! Ist das nicht ein bisschen viel?“, könnte man fragen.

„Nein, ist es nicht!“

Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung gehörten zusammen. Nur so können wir der Digitalisierung eine nachhaltige Richtung geben. Mit Forschung und Innovation gelingt uns das. Deshalb ist diese Konferenz hier und heute so wichtig. Und darum will das BMBF aktiv gestalten: mit Bildungs- und Forschungspolitik und mit neuen Initiativen.

Deshalb starten wir heute den BMBF Aktionsplan „Natürlich.Digital.Nachhaltig.“, den wir in diesen Minuten auf unser Website veröffentlichen. Der Aktionsplan konzentriert sich auf die Schnittstelle von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Er entwickelt die vorhandenen Forschungs- und Bildungsmaßnahmen des BMBF weiter. Und er setzt neue Impulse. Bis 2023 werden wir deutlich über 100 Millionen Euro in mehr als 20 neue Initiativen investieren. Wir sind überzeugt: Gerade jetzt ist es wichtig mit großen Schritten voranzugehen.

Denn die Bürgerinnen und Bürger spüren die großen Herausforderungen unserer Zeit in ihrem Alltag. Die Artenvielfalt geht beispielsweise nicht mehr nur im Amazonas zurück, sondern auch in Brandenburg und Bayern. Und ein sommerlicher Hitzerekord jagt den Nächsten in Deutschland. Auch der Bericht des Weltklimarates zum 1,5 Grad Ziel und die Verhandlungen der letzten Wochen in Madrid lassen keine Zweifel.Ohne eine Trendwende bei den CO2-Emissionen, wird dieses Ziel nicht erreichbar sein.

Das heißt für uns: unsere Art zu leben, zu arbeiten und zu wirtschaften muss sich ändern. Es geht um Herausforderungen für die ganze Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund ist die Digitalisierung Problem und Lösung zugleich. Einerseits steigt der Stromverbrauch digitaler Geräte und Anwendungen und damit auch ihre CO2-Emissionen. Bis 2025 könnten sich diese verdoppeln. Andererseits eröffnen neue digitale Lösungen hohe CO2-Einsparpotenziale in anderen Sektoren, die dies mehr als wettmachen könnten. Beispielsweise in der Mobilität oder der Industrie 4.0. Studien schätzen das Einsparpotenzial über alle Sektoren auf bis zu 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Diese Zahlen machen deutlich: Risiken und Chancen der Digitalisierung für eine nachhaltige Gesellschaft liegen nahe beieinander. Das heißt aber auch: die Zukunft ist offen! Wir können und müssen sie gestalten. Auf keinen Fall darf Deutschland sich aus Angst vor großen Veränderungen an die Seitenlinie drängen lassen. Denn dann bestimmen andere, wie wir in Zukunft leben.

Deshalb startet das BMBF als erstes Ministerium einen Aktionsplan für Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Es geht um die Gesellschaft, in der wir in Zukunft leben. Deshalb setzt der Aktionsplan entsprechend breit an. Das möchte ich mit drei wichtigen Ziele des Aktionsplans illustrieren:

Das erste Ziel ist es, Digitalisierung und Nachhaltigkeit mit Bildung zu verbinden. Denn Bildung ist langfristige einer der wichtigsten Hebel, um eine sozialere und ökologischere Gesellschaft zu schaffen. Mit Bildung können wir Menschen in jedem Alter erreichen. Das Ziel: Teilhabe ermöglichen und Kompetenzen für ein nachhaltiges Handeln in einer digitalisierten Welt vermitteln. Dafür setzten wir im nationalen Multi-Akteursprozess für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ einen neuen Schwerpunkt auf Digitalisierung. Außerdem verankern wir diese Zielsetzung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. So können wir so viele Menschen wie möglich erreichen.

Unser zweites Ziel ist es, digitale Technologien nachhaltiger zu machen. Denn sie verbrauchen viel Strom und Ressourcen. Streaming, Cloud-Computing und Blockchain-Anwendungen wie Bitcoin haben diese Entwicklung verschärft.

Mit dem Wettbewerb „Energieeffizientes KI-System“ wollen wir dem etwas entgegensetzten. Er läuft als Teil der neuen Agentur für Sprunginnovationen. Im Wettbewerb werden neue Ansätze für energieeffiziente Elektroniksysteme für künstliche Intelligenz erprobt. Das beste und energieeffizienteste System gewinnt! Als Vorbild dient das menschliche Gehirn. Unser Gehirn braucht für Analysen vergleichbarer Größenordnung nämlich weniger Energie. Es arbeitet also wesentlich energieeffizienter. Das zeigt uns, wieviel besser es geht.

Nach dem Wettbewerb können die Ergebnisse auf weitere Anwendungsfelder übertragen werden, um dort Energie zu sparen, z.B. in der Medizintechnik in der Industrie 4.0.

Energieeffiziente und damit CO2-sparende Elektronik für die Digitalisierung wird das BMBF in Zukunft noch stärker als bisher fördern. Dazu werden wir langfristig eine neue Initiative für „Green ICT“ vorbereiten, die 2021 starten soll. Unser Ziel ist es, den Stromhunger der Digitalisierung zu begrenzen – damit mehr Digitalisierung nicht mehr Klimawandel heißt.

Das dritte Ziel des BMBF ist es, digitale Innovationen noch stärker als bisher für die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 einzusetzen. Das Potenzial dafür ist enorm, aber wir müssen es noch besser nutzen. Beim Klimawandel, dem Schutz der Artenvielfalt oder der nachhaltigen Stadtentwicklung wollen wir dafür Daten und digitale Innovationen intelligent einsetzen.

Hierfür ein Beispiel: Der Schutz der Artenvielfalt drängt. Der neue Bericht des Weltbiodiversitätsrates hat das sehr deutlich gezeigt: Bis zu einer Million Arten könnten aussterben, viele davon bereits in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Ein vielversprechender Ansatz liegt in umweltverträglicheren landwirtschaftlichen Methoden. Mit Sensoren, Robotik und künstlicher Intelligenz lassen sich beispielsweise in der Präzisionslandwirtschaft ganz neue Wege gehen. Dünge- oder Pflanzenschutzmittel könnten mit intelligenten Technologien gezielt nur an den Pflanzen eingesetzt werden, die sie brauchen. So könnten wir in Zukunft weniger dieser Mittel einsetzen. Und das ist wiederum gut für die Artenvielfalt. Ein klares Beispiel, warum Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengehörten.

Wir starten bereits jetzt die Förderung solche Ansätze mit der Initiative „Agrarsysteme der Zukunft“. In den kommenden Jahren geben wir dafür über 40 Millionen Euro aus. Ziel sind neue, systemische Lösungen für eine nachhaltige Agrarproduktion der Zukunft.

Es sind genau solche digitalen Ansätze für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030, die das BMBF mit seinem Aktionsplan in Zukunft noch stärker fördern wird.


Meine Damen und Herrn,

das BMBF setzt mit seinem Aktionsplan „Natürlich.Digital.Nachhaltig.“ Maßstäbe. Wir verfolgen damit das Ziel, der Digitalisierung eine nachhaltigere Richtung zu geben.

Noch wichtiger als der Aktionsplan aber sind Sie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Führen Sie nach dieser Konferenz Ihre Diskussionen weiter. Tauschen Sie sich aus. Nur wenn alle miteinander reden, entstehen die neuen Ideen, die wir so dringend brauchen. Nur dann wird die Digitalisierung nachhaltig und die Nachhaltigkeit digital.


Vielen Dank.